Meine eigenen Anfänge...

Wer sich ein erstes Mal an eine Produktion heranwagt, darf es ruhig akzeptieren, dass Unsicherheit ein treuer Begleiter ist, und dies möglicherweise sowohl auf der technischen, der gestalterischen als auch der inhaltichen Ebene.

Am Anfang geschieht gar nichts intuitiv. Man hat zwar eine Idee, dennoch bleibt sehr viele unkonkret. Alles was wirklich vorhanden ist, sind quälende Fragen. Wie gehe ich nun heran an meine Aufgabe: So? Anders? Wie überhaupt?

Obwohl Software-Anbieter oft euphorisch die „kinderleichte“ oder bedienerfreundliche“ Handhabung“ ihrer Programme anpreisen und gleichzeitig auch von „grenzenlosen Möglichkeiten“ schwärmen, muss einem klar sein, dass mit solchen Versprechen noch lange keine überzeugende Schau geboren ist.

Eine audiovisuelle Produktion ist im Grunde genommen ein eine komplexe Aufgabe, an die man sich Schritt um Schritt herantastet und in der man sich mit jedem Projekt besser und stressfreier zurecht findet.

Als Mutter aller Regeln: Gehe mit Freude ans Werk! Mit dem Lustprinzip geht alles viel einfacher. Damit Dir die Freude nicht gleich wieder abhanden kommt, setze Dir ein Ziel und starte mit einem kurzen Versuchsprojekt. Gib Dir genügend Zeit. Baue dann auf diesen Erfahrungen weiter auf.

Ironischerweise muss ich zur „Mutter aller Regeln“ vermerken, dass ich sträflich gegen diese verstossen habe, als ich vor nunmehr 16 Jahren meine erste Multivision realisierte. Ich war von 0 auf 100 gestartet. Zwei Monate vor der Premiere hatte ich zwar Plakate und Flyers gedruckt und eine ganze Tournee auf die Beine gestellt. Ich hatte 6 Projektoren gekauft, eine Steuersoftware von Dataton mit entsprechenden Steuergeräten, eine 4-Spur-Bandmaschine Marke Tascam, ein Mischpult, ein Diadupliziergerät, Leinwand, Tonanlage. Sogar ein befreundeter Journalist drehte bereits engagiert die Werbetrommel. Nur die Show war noch nicht geboren.

Ich war zu diesem Zeitpunkt ein totaler Computerlaie, hatte keine Ahnung, wie man Dias dupliziert, eine Schau vertont, programmiert und synchronisiert. Ich hatte vor allem eins: schlaflose Nächte. „Die Erde bleibt ein Wunder“ heiss mein Multivisions-Erstling. Auf die Integration eines gesprochenen Kommentars verzichtete ich, weil ich schlicht nicht wusste, wie ich meine Aufnahmen kommentieren sollte. Es war also ein so genanntes Diaporama, eine reine Verschmelzung von Bild und Ton.

Am Premierentag sassen 500 Leute im Leuchtersaal des Berner Kursaals, und ich musste mich durch den Abend förmlich hindurchmogeln. In der Nervosität hatte ich im zweiten Teil noch zwei Diamagazine verwechselt, wodurch der Ablauf der Schau natürlich durcheinander geriet. Statt die Schau kurz anzuhalten und neu zu starten, liess ich sie durchlaufen, entschuldigte mich für die Panne, (die erstaunlicherweise vielen gar nicht aufgefallen war) und präsentierte den zweiten Teil nochmals. Ein grosser Teil des Publikums blieb danach weiter im Saal, um sich diesen zweiten Teil nochmals in der korrekten Version anzusehen. Der Abend wurde zu meiner ersten wirklichen Grenzerfahrung.

Trotz allem war beim Publikum ein grosser Goodwill zu spüren. Offenbar spürten trotzdem viele, dass im Gezeigten Herzblut und Passion mit im Spiel waren, wenn auch gepaart mit viel Anfängertum. Ein halbes Jahr später trat ich mit der von 6 auf 9 Projektoren ausgebauten Version wieder auf, hatte zu den beiden Teilen einen live-kommentierten Einführung dazu programmiert. Und der Berner Kursaal war wiederum zweimal bestens besetzt. Und diesmal war die Präsentation bereits wesentlich abgerundeter.

Heute, im "digitalen" Zeitalter, erinnere ich mich mit einem stillen Schmunzeln daran, wie ich in meiner ersten Multivision auf einer projizierten Karte mit einem zusätzlichen Projekor einen Punkt einblendete. Ich hatte den Punkt aus einem „schwarzen“ Dia (mit aufgesetztem Objektivdeckel fotografiert) mit einem Bohrer herausgestanzt. Heute sind solch unkonventionelle "Arbeitstechniken" Vergangenheit. Aber die die Fähigkeit zur Improvisation erweist sich auch heute noch als nützlich.  Ich habe mich von Filmen und Dunkelkammer verabschiedet. Der Computer ist zur zentralen Arbeitsplattform geworden. Auf ihm lässt sich alles visualisieren, was im Kopf an Fantasien vorhanden ist. Vielleicht ist das Universum viel mehr in uns als um uns.
Wir stehen an der Schwelle in ein Zeitalter mit neuen künstlerischen Ausdruckmöglichkeiten. Aber das liegt in der Natur des Lebens, das dazu da ist, auf dass sich immer wieder neue Türen öffnen...

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